|
|
@spidy
ja, du zählst weitere faktoren auf, die ich überwiegend unter der rubrik "äußere" fassen würde; hier in erfurt gibt es ein sehr einleuchtendes beispiel; in südost wurde mit riesigem investitionsaufwand ein high-tec-betrieb aus dem boden gestampft, um zeitgemäße prozessoren bauen zu können, ohne die keine werkzeugmaschine mehr auf dem weltmarkt absetzbar war (und der maschinenbau war eine hauptsäule des exports); dieser chip stand ebenfalls auf der embargoliste; am tag aber, als honni die chipproduktion (mit großem propagandistischen aufwand) freigab, am selben tag wurde der chip von der embargoliste gestrichen und hätte für einen appel und ein ei gekauft werden können; damit wurden die getätigten millarden mark investitionen praktisch über nacht vollständig entwertet; solche beispiele gäbe es noch zuhauf, wie ja überhaupt die ddr vom ersten tag ihres bestehens an vom westen befehdet wurde, auf allen gebieten, mal mehr mal weniger deutlich, mal mehr und mal weniger heimlich, mal mehr und mal weniger drastisch und mal mehr und mal weniger erfolgreich, aber stets und ohne unterlass;
auch das, was du als "abwanderung" bezeichnest, war vor dem mauerbau nicht nur dem eigenen antrieb der hier lebenden menschen geschuldet, sondern war auch gezieltes abwerben; so hätte auch mein vater "fliehen" können, der 1953 oder 1954 in westberlin war; dort wurde er gezielt angesprochen und mit entsprechenden offerten für arbeit und wohnung versehen; gleiches erzählten mehrere kollegen meines vaters; zur erinnerung: dank marshallplan boomte es im westen und man suchte händeringend arbeitskräfte; aber nicht nur das; es war ja auch wesentlich "billiger" gut ausgebildete arbeitskräfte abzuwerben, für deren ausbildung man nichts zu zahlen brauchte; waren es gar ärzte und/oder ingenieure, dann hatte man doppelt was zu feiern: keine kosten und gleichzeitig empfindliche verluste für den gegner; feine "brüder und schwestern" vor dem "eisernen vorhang
aber auch diese dinge sind letztlich nur mosaiksteine in einem großen puzzle; es gibt weitere "äußere" faktoren, sowohl in richtung westen als auch in richtung osten; z.b. ist die rgw-zusammenarbeit einer kritischen betrachtung zu unterziehen; denn was einst positiv begann, hat zuletzt zu erheblichen verwerfungen und hemmnissen geführt;
und auch die "inneren" faktoren sind zahlreich, doch dazu vielleicht später mehr
@felixed
von deiner schuldzuweisung will ich mal absehen, dafür aber auf deine frage etwas näher (aber in der kürze der zeit nicht so tief, wie erforderlich) eingehen; ja, das genossenschaftliche eigentum hat in viel stärkerem maße zu eigentümerbewusstsein geführt, als es das sogenannte volkseigentum je führen konnte; hier waren die bäuerleins viel näher dran (trotz staatlicher vorgaben für erträge und produkte), konnten mitentscheiden, was wo angebaut wird, was wann wie bearbeitet werden soll und vor allem, was aus dem gewinn gemacht werden soll, denn es verblieb wesentlich mehr in den kassen als in den veb
im veb war im prinzip alles von oben vorgegeben, zuletzt fast bis zum sprichwörtlich letzten benötigten nagel; letztlich hat sich das system dann in seiner eigenen bürokratie selbst erdrosselt; und der schöne slogan "plane mit, arbeite mit, regiere mit" war an sich eine farce, denn schon das "plane mit" erschöpfte sich in abnicken und maximal noch darin, die zahl/den "plan" etwas zu erhöhen; ein wirkliches mitspracherecht gab es nicht, weder bei der planung, noch bei der produktion; die gewinne wurden fast vollständig an den staatshaushalt abgeführt von dort erfolgte eine umverteilung, so dass ggf. auch wieder etwas zurückkam, aber dieses zurück konnte nie als motor verstanden werden, da es unabhängig von den anstrengungen der arbeiter war, im positiven wie im negativen, ich habe in der optima zwar dreher kenengelernt, die "ihren arbeitskreis" an maschinen wirklich wie ihre eigenen pflegten und behandelten, aber schon die maschine daneben war ihnen wurscht; wenn einer etwas "mit nach hause" nahm (noch so ein schöner slogan, der öfter wörtlich genommen wurde: "aus unseren betrieben ist noch viel mehr herauszuholen"
, oder für die datsche oder den garagenbau oder, oder, dann hat keiner was unternommen, selbst dann nicht, wenn er zu den wenigen gehörte, der immer "sauber" blieb
der "staat", das "volk" sind abstrakte begriffe, oft weit weg oder ganz oben, für den einzelnen nicht oder nur schwer fass- und erlebbar, fast bin ich geneigt zu sagen: wertlos (was aber nicht ganz stimmt, aber zumindest wertelos); daraus kann kein eigentümerbewusstsein entstehen; wenn mir aber das werk, die maschine, das material usw. wirklich gehören, wenn mein lohn davon abhängt, wieviel ich am monatsende in der tüte habe, wenn ich mitbestimmen kann, wann eine maschine angeschafft werden soll und welche, wenn ich den nutzen aber auch die risiken mitzuverantworten habe, wenn ich mitbestimmen kann, welche produkte denn produziert werden sollen, erst dann wird dieses eigentum nichts fremdes mehr sein, sondern eben "auch meins"
Dieser Beitrag wurde 6 mal bearbeitet, zum letzten Mal von herrenlos: 30.04.2008 17:41.
|