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Die Fabel vom untapferen Schneiderlein
Es war einmal ein Schneiderlein. Nein, kein tapferes, eher ein untapferes und dummes Schneiderlein. Und da das Schneiderlein in Schilda mitten unter den Schildbürgern lebte und auch sonst seinen Beruf weder richtig verstand und auch sonst nur widerwillig und schluderig ausübte, so dachte das Schneiderlein: „Ich gehe in die Poltik“. Da muss man nichts können, da kann man prima faulenzen und muss sich nur wichtig tun und kräftig herumsülzen. Und so trat das Schneiderlein der Weißen Partei bei. Aber schon bald hatte er sich dort mit allen verzofft, denn keiner konnte seine Besserwisserei und sein dummes Geschwätz so richtig leiden. Und so verschwand das Schneiderlein wieder aus der Weißen Partei und trat der Orangen Partei bei. Und auch hier verzoffte er sich bald wieder mit allen. Knurrig und böse verließ er auch diese Partei und trat nun der Hellgrünen Partei bei. Und es wiederholte sich das Spiel. Niemand wollte ihn am Ende haben und seine Wichtigtuerei schoss ins Leere. Da nun der kleine Ort Schilda, in dem die braven Schildbürger lebten, keine weiteren Parteien besaß, wurde das Schneiderlein ganz Fuchs-Teufels-Wild wütend und verfluchte alles und jeden. Anschließend „schiss“ es die Weiße Partei bei der Orangen, die Orange bei der Hellgrünen und die Hellgrüne bei der Weißen Partei an. Schließlich schrieb es noch einen üblen Brief an den Bürgermeister von Schilda, in dem das Schneiderlein alle drei Parteivorsitzenden zahlreicher Straftaten bezichtigte. Man hätte ihm hinterlistig sein Schneiderwerkzeug gestohlen, Parteivorsitzender Meier habe schwarze Kassen, Parteivorsitzender Müller habe eine illegale Frau im Haus, Parteivorsitzender Schuster würde dem verbotenen Glücksspiel nachgehen.
Es nahm ein böses Ende mit dem untapferen Schneiderlein. Denn es hatte nicht damit gerechnet, dass der Bürgermeister und alle drei Parteivorsitzenden tapfere brave Schildbürger waren, die immer treu zueinander standen, wenn ein Denunziant sie heimsuchen wollte. Und so geschah was geschehen musste: Das Schneiderlein verschwand eines Nachts still und heimlich. Es landete in Müllers Mühle vor der Stadt. Und tags darauf machte der Bäcker von Schilda ein großes dickes braunes Brot aus dem Schneiderlein, dass er eine Woche lang in seinem Schaufenster auf dem Marktplatz ausstellte. Nun wussten alle Schildbürger bescheid und atmeten auf. Sie waren erlöst.
Dieser Beitrag wurde 2 mal bearbeitet, zum letzten Mal von GiselaTiciani: 15.07.2008 19:55.
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