|
|
| RE: Der Verfall in den annektierten Gebieten |
Beitrag Kennung: 78508
|
|
|
|
|
Marie von Ebner Eschenbach sagte einmal: Nicht was wir erleben, sondern wie wir es wahrnehmen was wir erleben, prägt unsere Erinnerung.
Wir erlebten zwei deutsche Staaten geboren aus der Entwicklung eines von deutschen angezettelten, geführten und zurecht verlorenen Weltkrieges.
Jeder wuchs dort auf, wo es ihn in den Wirren des Krieges hinverschlagen hat oder man seine Wurzeln hatte. Meine Vorfahren sind schon immer im Thüringer Raum speziell um Weimar angesiedelt. Daraus beziehe ich meine Wahrnehmungen und Erinnerungen.
Ich wuchs in der DDR auf und hatte eine wunderschöne Kindheit und Jugend und schäme mich nicht deshalb. Der 03. Oktober 1990 kam für mich, wie für alle anderen Bürger der DDR zum Teil völlig unvorbereitet, aber auf Grund des Willens der Menschen der DDR. Sicher nicht jeden einzelnen, aber doch der Mehrheit. Das Wahlergebnis im März 1990 beweist es und die Geschichte lässt dies nun mal nicht anders zu. Auch ich hatte damals nicht den Wunsch BRD Bürger zu werden. Nun bin ich es aber. Bereits am 23.08.1990 erklärte die Volkskammer, nicht die Regierung, den Beitritt der DDR zur BRD. Schon die Volkskammer hat am 17. Juni 1990 die: "2. Durchführungsverordnung zum Treuhandgesetz" verabschiedet. Wann das Treuhandgesetz verabschiedet wurde, kann ich jetzt gerade nicht finden, muss aber logischerweise vor dem 17.06. gelegen haben. Die Umwandlung der Industrie der DDR begann also noch unter der demokratisch gewählten Regierung der DDR und der Volkskammer.
Einer der wichtigsten Schritte ist das Austreten der DDR am 24.09.1990 aus dem Warschauer Vertrag. Die Protokolle sind in Archiven einsehbar. Dies hätte nicht funktioniert, wenn die PArtner, speziell die UdSSR dem nicht zugestimmt hätten.
Unser Wissen um uns selbst, um unsere Biografie, beruht auf markante Höhepunkte im Leben des Einzelnen, also aus Erinnerungen.
Erinnerungen sind der Blick auf das eigene gelebte Leben
Jetzt 18 Jahre später ist das Wahrnehmungsvermögen eines Teils der Bevölkerung anders. Man erinnert sich anders. Aber genau da liegt der Knackpunkt es liegen 18 Jahre andere Gesellschaft dazwischen. Verschiedene persönliche Schicksale und Entwicklungen zum positiven und zum negativen.
Die Wahrnehmung des Einzelnen und selbst größerr Menschengruppen ist beeinflusst von sozialer, geografischer Bindung und Herkunft, Erziehung, Religion, Einfluss der Medien etc. Natürlich auch des größten Informationssystems mit Wahrheiten und Blödsinn, dem Internet.
In der Auswertung dieser gewissermaßen unvollständigen Aufzählung, resultieren folglich eigene gesellschaftspolitische Vorstellungen. Und hierbei betone ich, um eine Diskussion aufrechtzu erhalten, das Wort: "Eigene". Damit ist nicht die aus verschiedenen Umfragen der Medien und Vermutungen herrührende Lust die Gesellschaft zu verändern. Umfragen zeigen einen Trend das widerspreche ich nicht. Nur sind sie nicht wissenschaftlich hinterfragt, willkürlich und lassen Mehrfachabstimmungen zu.
Bsp: Kapitalismus abschaffen - wenn nur einer abgestimmt hätte, würde in der Auswertung stehen 100% haben sich für xxx entschieden.
Genauso ist es auch hier. Der Wille eines Volkes ist das eine, die persönliche Wahrnehmung etwas anderes und das gilt es von allen zu aktzeptieren. Da hilft es auch nicht wenn man alle zwei Tage daherbetet, die Menschen kapieren das nicht, sie kapieren dies nicht.
Ein annektieren des DDR durch die BRD kann demnach nicht stimmen. Schewardnadse teilte zum Treffen der Staatsführungen des Warschauer Paktes am 5. und 6. Juni 1990 in Moskau dem Ministerpräsidenten Lothar de Maziäre mit, dass die beiden Staaten ihre Wiedervereinigung in einem Zeitraum von 5-6 Monaten durchsetzen sollte, da er nicht versprechen danach die Deutsche Einheit zusammen mit Gorbatschaow innenpolitisch noch durchsetzen kann.
Auf dem Kaukasusgipfel Gorbatschow/Kohl wurden auch Probleme geklärt, die mit dem herauslösen der DDR und deren Verträge aus dem sozialistischen Bündnissen zusammenhingen.
Durch die Militärführung der UdSSR wurde den in der DDR stationierten Truppen (in Thüringen dem Stab in Nohra) befohlen die Übungen auf ein Mindestmaß zu beschränken und die Öffentlichkeit so wenig wie möglich mit ihrer Anwesenheit zu belasten. Ich denke das Ergebnis wäre klar (siehe 17. Juni in der DDR; Ungarn oder dem Prager Frühling in den fünfziger Jahren).
Der Zeitraum der Existenz der beiden gesellschaftspolitischen Lager wird vom Historiker Georges Souton als: "Der fünfzigjährige Krieg" bezeichnet. John Lewis Gaddis nennt ihn dagegen: "Der lange Frieden".
Die Wiedervereinigung war also keine Annektierung sondern die offizielle Beendigung des Weltkrieges und dem Ende der Teilung Deutschlands.
So meine Erinnerungen ...
|
|
|
|
|
|
|
|