Und wieder sind Menschen erfroren
Der Winter ist noch lange nicht vorbei.
Irgendwo wurde wieder ein Obdachloser von der Straße geholt.
Erfroren bei eisiger Kälte.
Man stirbt heutzutage sehr schnell, wenn das Leben zerrissen wird, wenn Hilfe und Existenz verweigert werden, die Wohnung gekündigt wurde, die persönlichen Reste auf einer Mülldeponie landen.
Getrieben und zerrieben, zwischen Müllcontainern und der Suche nach einem Schlafplatz.
Die Zahl der Obdachlosen steigt.
Die Zahl der von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen steigt ebenfalls.
Parallel zum steigenden Reichtum einiger bevorzugten Auserwählten.
Keine Sicherheit auf Leben.
Wer noch eine Wohnung besitzt, kann nicht mehr sicher sein, auf Dauer darin wohnen zu dürfen. Dafür gibt es staatliche Vorgaben, die Menschen auf Bedarfsgrößen reduzieren, die sie einzuhalten haben.
Und ein Existenzminimum, das jederzeit auch wieder verweigert werden darf.
Und bitte nicht mit dem Finger auf Mitmenschen zeigen, die keine andere Wahl mehr haben, als sich bettelnd der Hoffnung hinzugeben, nicht noch tiefer in Armut getreten zu werden, letztendlich nicht als gesellschaftlicher Müll auf der Straße zu enden.
Auf dem Weg durch die Innenstadt begegnete mir ein alter Mann den Rollator schiebend.
Er durchwühlte Papierkörbe auf der Suche nach Pfandflaschen und Dosen.
Wenn er Glück hatte, wenn er viel Glück hatte, durfte er sich – nach stundenlanger Suche – einen Laib Brot gönnen.
Oder auch nicht.
Alltag im widerlichen System, in dem widerliche Menschen ihre widerlichen Motive ausleben, weswegen Menschen obdachlos werden und erfrieren müssen.