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gastli   Zeige gastli auf Karte FT-Nutzer
25.586 geschriebene Beiträge
Wohnort: Gera



02.03.2020 ~ 07:19 Uhr ~ gastli schreibt:
images/avatars/avatar-2026.jpg FT-Nutzer seit: 03.12.2005
1912 erhaltene Danksagungen

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RE: Gedanken zur Zeit Beitrag Kennung: 979184
gelesener Beitrag - ID 979184


Ok, damit kann ich leben.



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prospero   Zeige prospero auf Karte FT-Nutzer
237 geschriebene Beiträge
Wohnort: Berlin Reichstag



20.03.2020 ~ 19:26 Uhr ~ prospero schreibt:
FT-Nutzer seit: 03.09.2007
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RE: Gedanken zur Zeit Beitrag Kennung: 981105
gelesener Beitrag - ID 981105


Angela Merkel hat eine von allen Fernsehsendern übertragene Ansprache zur Corona-Krise gehalten. Sie erhielt dafür viel Lob von den Medien, auch von den internationalen. So schrieb das New York Magazin: „Die Anführerin der freien Welt (die meinen wirklich Merkel!) hält eine Rede und bringt es auf den Punkt. ‚Es ist Ernst‘, sagt sie, und diese drei nüchternen Worte haben mehr Kraft als eine Höllenpredigt.“

„Ihre Präferenz für Substanz über Stil macht sie zu einer guten Führungskraft“, heißt es bei Bloomberg. So viel Lob wird unsere Langzeit-Kanzlerin sicher freuen.

Leider wurde diese Rede dem von ihr selbst beschworenen Ernst der Lage nicht gerecht. Sie sagte doch tatsächlich: „Deutschland hat ein exzellentes Gesundheitssystem.“ War sie in den letzten Wochen in Urlaub? Hat ihr niemand gesagt, dass wir viel zu wenig Pflegekräfte haben (in den Krankenhäusern fehlen rund 100.000 Schwestern und Pfleger, in den Altenheimen, also bei der Betreuung der viel zitierten Risikogruppe, laut einer Untersuchung des Bundesgesundheitsministeriums vom Februar weitere 120.000)? Dass es zurzeit an den simpelsten Schutzausrüstungen für das Personal fehlt? Dass es zu wenig Betten auf den Intensivstationen und zu wenig Beatmungsgeräte gibt? Zwar sollen jetzt zusätzliche Kapazitäten für Intensivpatienten geschaffen und weitere Schutzausrüstung besorgt werden, aber das dauert.

Lob hätte sie wirklich verdient, wenn sie zum Beispiel Folgendes gesagt hätte: „Es gibt in Deutschland rund 200.000 Pflegekräfte zu wenig. Die Bundesregierung wird die erforderlichen Mittel bereit stellen, um in überschaubarer Zeit ausreichend Pflegekräfte in Deutschland auszubilden und einzustellen. Wir halten es für falsch, in den ärmsten Ländern Pflegekräfte abzuwerben."

Und wie viel Zustimmung hätte die Kanzlerin darüber hinaus erhalten, wenn sie erklärt hätte: „Krankenschwestern und Pfleger werden in Deutschland schlecht bezahlt. Auch aufgrund ihrer großen Beanspruchung in den zurückliegenden und in den kommenden Wochen wird die Bundesregierung daher sicherstellen, dass ihre Gehälter um 20 Prozent steigen – notfalls über einen neuen Tarifvertrag mit den öffentlichen Krankenhäusern, den wir finanziell absichern und den wir für allgemeinverbindlich erklären werden.“

Weil sie wenig konkretes sagte, war die Rede der Kanzlerin eher eine Weihnachtsansprache. Sie wandte sich an die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer, appellierte an ihr Verantwortungsgefühl und dankte denjenigen, die jetzt besonders gefordert sind, von der Krankenschwester bis zur Supermarkt-Kassiererin. Das war alles richtig. Aber statt der warmen Worte wäre Selbstkritik besser gewesen, weil in den letzten Jahren Krankenhäuser kaputtgespart wurden und die Produktion lebenswichtiger Arzneimittel nach Asien verlagert worden ist. Noch erfreulicher wäre es für viele gewesen, wenn sie erklärt hätte, dass die Agenda-Gesetze korrigiert werden, die zu unsicheren Arbeitsverhältnissen und zur Unterbezahlung derjenigen führen, die jetzt das tägliche Leben am Laufen halten und jetzt "systemrelevanter" sind als alle Banken.



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prospero   Zeige prospero auf Karte FT-Nutzer
237 geschriebene Beiträge
Wohnort: Berlin Reichstag



01.04.2020 ~ 14:56 Uhr ~ prospero schreibt:
FT-Nutzer seit: 03.09.2007
114 erhaltene Danksagungen
RE: Gedanken zur Zeit Beitrag Kennung: 982203
gelesener Beitrag - ID 982203


Wisst ihr was ich überhaupt nicht mehr hören kann?
Diesen Satz: Aber der verheerende wirtschaftliche Schaden!

Sind wir wirklich schon so verblödet? Ist das BIP das Maß aller Dinge? Müssen wir ohne prognostiziertes Wachstum alle sterben? Ganz sicher nicht.
Aller Voraussicht nach wird die Versorgung mit Nahrungsmitteln und unverzichtbaren Gebrauchsgegenständen nicht zusammenbrechen. Das Notwendige wird zur Verfügung stehen.
Aller Voraussicht nach wird die Versorgung mit Geld ebenfalls nicht zusammenbrechen, so dass das Notwendige gekauft werden kann. Wo hier und da das Geld zu Ende geht, will der Staat helfen. Es wird niemand verhungern, verdursten oder erfrieren müssen, weil es an den Ressourcen fehlt. Das ist das Wichtigste, und das ist gewährleistet. Und wo es einmal hakt, dann werden sich die Menschen immer noch gegenseitig helfen.
Die Regelung, dass niemand wegen Mietrückständen aus der Wohnung geworfen werden darf, ist richtig und sehr vernünftig.
Sie ist auch Vermieter vernünftig. Denn auch Vermieter werden nicht verhungern, verdursten oder erfrieren werden, wenn die Miete ausbleibt, weil bei den Mietern das Gehalt ausbleibt. Das gilt übrigens auch für Gewerbemieten.
Letztlich geht es nur um Geld-Forderungen. Geld kann man nicht essen.
Und Aktienkurse? Was kümmern die Aktienkurse? Seit wann kann man die essen?
Ändert sich die Waschkraft des Waschmittel Persil, wenn der Kurs der Henkel-Aktie fällt? Wird ein Auto schneller, besser oder schlechter wenn die Konzern-Aktie steigt oder fällt?
Es werden in dieser Zeit keine Gewinne gemacht, es wird eher von der Substanz gezehrt. Aber es ist nur eine Pause. Das Land liegt nicht in Schutt und Asche. Es ist alles noch da und es kann alles wieder in Betrieb genommen werden. Das Leben kann und wird weitergehen.



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