Ein paar Prozentpunkte weniger bei der Bayernwahl in einer Woche wären zwar glanzlos für den neuen Ministerpräsidenten, hätten aber andererseits den Vorteil endlich den Parteichef Seehofer als Sündenbock zu entsorgen.
Nun aber brechen die CSU-Umfragewerte derartig ein, daß schon eine Zahl in den hohen 30ern ein Achtungserfolg wäre. Es könnten aber auch 33 oder 34% werden.
Aus der staubigen Gruft des Franz Josef Strauß im Schatten der Klosterkirche von Rott am Inn hört man heftiges Rotieren.
Wie konnte das nur geschehen?
Es sind aber nicht nur die zwei Deppen Söder und Seehofer, die Straußens Partei in den Abgrund reißen.
Die CSU verfängt auch deswegen nicht mehr so gut bei den Bayern.
Weil sich selbst das bizarre Alpenvolk irgendwie weiterentwickelt.
Während die CSU einfach ideologisch stehenbleibt.
Sie dachten, es wäre bayerisch genug einfach so weiter zu wurschteln wie immer.
Ein paar Reminiszenzen an die 50er Jahre [Kruzifixzwang] und dazu ein paar Nazi-artige Sprüche, wie sie Strauß in seinen Bierzeltreden donnerte.
Die mit CSU-Anhängern vollgestopften Bierzelte johlen auch immer noch begeistert auf, wenn Söder gegen Multikulti hetzt.
Die Majorität der Bayern hat sich allerdings gewandelt.
Und die richtig Rechten, die ewig Gestrigen, werden zur AfD weitergereicht.
Die bayerische AfD-Kandidatiin Ebner-Steiner kann ihr Glück und die Doofheit der CSU-Spitze gar nicht fassen.
Seit Monaten macht die kostenlose AfD-Werbung und pumpte die AfD-Faschisten mit Hetze-CSU-Luft in die Zweistelligkeit.
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Es sei nicht nur die Flüchtlingspolitik, die die Leute zur AfD treibe, sagt sie und spricht dann über die großen und kleinen Skandale örtlicher CSU-Politiker[….] Die CSU habe überall ihre Spitzel, sagt Ebner-Steiner. Sie kenne Bedienstete der Stadt Deggendorf, die nicht an ihrem AfD-Stand stehen bleiben dürften. "Für diese Leute ist es wie ein Befreiungsschlag, wenn sie jetzt heimlich AfD wählen können. Die sagen: Jetzt muss mal Schluss sein mit den Amigos und der sozialen Kontrolle." Dieses Empfinden habe sich über Jahre angestaut. Das Fass zum Überlaufen gebracht habe dann die Flüchtlingspolitik.
Auch da, sagt Ebner-Steiner, verstehe sie die CSU nicht. "Man kann die AfD so leicht bekämpfen, aber sie tun es einfach nicht." Vor allem Horst Seehofer mache alles falsch. "Der ist für uns wie ein Pressesprecher. Der macht Wahlwerbung für uns." Sein Satz, die Migrationsfrage ist die Mutter aller Probleme, sei großartig für die AfD. "Er hebt das Thema immer wieder hoch. Und jeder weiß, dass die AfD dieses Thema dominiert. Ich versteh nicht, dass die das nicht kapieren." |
[Quelle: DER SPIEGEL Nr 41, 06.10.2018, s.20]