Endlich Geld für Christel T.!
Erfolgreiche und schöne Aktion vor dem Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg
Christel T., erwerbslose Aktivistin aus Berlin, erzählt:
“Nach fünf Monaten Vollsanktion und etlichen Gerichtsverfahren hatte ich nicht mehr damit gerechnet, mich auf diesem Weg der Schikanen vom Jobcenter erwehren zu können. Zuletzt hatte eine Kammer des Berliner Sozialgerichts in ihrem Urteil zu meiner aktuellen Sanktion sinngemäß geschrieben, eine 100%-Sanktion sei in meinem Fall nicht so schlimm, da ich wohnungslos sei, und hatte den einstweiligen Rechtsschutz gegen die Sanktion verweigert.
Ohne wirklich mit einem positiven Ausgang zu rechnen, beschwerte ich mich beim Landessozialgericht, und war äußerst überrascht, als der zehnte Senat sinngemäß urteilte, daß ich (vermutlich) nicht dafür sanktioniert werden darf, dass ich während der vorhergehenden Vollsanktion keine Bewerbungen geschrieben habe, und dass deshalb bis zum Hauptsacheverfahren die Sanktion sofort ausgesetzt werden und das Geld für die verbliebene Dauer des Sanktionszeitraumes sofort nachgezahlt werden muss.”
Diese Auszahlung forderten heute etwa fünfzehn AktivistInnen, die vor dem Friedrichshain-Kreuzberger Jobcenter eine fröhliche und bunte Kundgebung abhielten, mit Parolen dekorierte Muffins herumreichten und skandierten “Endlich Geld für Christel T.!”
Gleichzeitig setzte Christel T. zusammen mit mehreren anderen Personen als Beistand im Jobcenter durch, zur Leistungsabteilung vorgelassen zu werden und eine Barauszahlung zu erhalten, obwohl ein Scheck schon mit der Post unterwegs und sowieso die Leistungsabteilung montags geschlossen sei. Nach fünf Monaten Vollsanktion sahen weder die KundgebungsteilnehmerInnen noch die BegleiterInnen im Jobcenter noch die Betroffene selbst einen Grund, noch einen einzigen Tag länger zu warten.
Da der schon im November gesprengte Geldautomat des Jobcenters immer noch außer Betrieb ist, wurde der Weg zum nächstgelegenen Jobcenter in der Seidelstraße als Spontandemonstration zurückgelegt, um dort das Geld zu erhalten.
Schließlich konnte Christel T. stolz einige Geldscheine vorzeigen, und ihre UnterstützerInnen jubelten: “Endlich Geld für Christel T.!”
Christel T. hat sich schon mit einigen Aktionen gegen Sanktionen gewehrt:
Vor einer Leiharbeitsfirma, die eine Sanktion veranlasst hatte:
https://www.youtube.com/watch?v=SX5gVoxIvFg
100%-Sanktion zu Weihnachten
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artik...87fc7bede5ba7b3
Androhung von Gewaltfreiheit, bei einem Protest gegen Lebensmittelgutscheine
https://www.youtube.com/watch?v=sxdeCkX1r4s
spektakulärste Aktion: Christel T. schneidet sich die Haare ab, aus Protest gegen Sanktionen über 100% hinaus
https://www.youtube.com/watch?v=DhSjsOIAwBw
Mit freundlichen Grüßen
Christel T.