Mit seinen großen dunklen Augen blickt Istvan Reiner direkt in die Kamera. Er scheint fröhlich zu sein. In seinen kleinen Händen hält er eine Lochzange und eine Karte. Auf den ersten Blick ein fröhlich spielendes Kind. Nur das Hemd lässt erahnen, wo und wann diese Aufnahme entstanden sein muss.
Kurz nach der Entstehung dieses Bildes wurde Istvan mit seiner Großmutter in Auschwitz vergast, während seine Mutter nur überlebte, weil sie kräftig genug war, um für den Arbeitsdienst eingesetzt werden zu können.
Ich frage mich, was für ein Kind Istvan war? War er ruhig oder aufgeweckt? Ich frage mich, in welchem Alter er seine ersten Schritte machte und welches Wort er als erstes sagte? An wen oder was konnte er sich in Momenten großer Angst oder Traurigkeit kuscheln? Hatte er Freunde? Wenn ja, lebt davon noch jemand, der über ihn berichten könnte?
Ich frage mich, wie seine kurze Kindheit gewesen sein muss? Konnte er lesen? Hat er je das Meer gesehen? Hat er jemals ein Bild gemalt? Hat er jemals ein Stück Schokolade gegessen und wie war sein Gesichtsausdruck dabei? Welche Fragen hat er gestellt? Was waren seine letzte Gedanken, als er nackt mit vielen Menschen in der "Dusche" stand und das tödliche Gas inhalierte? Was waren seine letzten Worte?
Ich frage mich, was er für ein Mann er geworden wäre? Wie hätte sein Leben ausgesehen? Wie hätte er gelebt? Was wäre aus ihm geworden? Ein Arzt, ein Lehrer, ein Schaffner oder ein Handwerker?
Und während ich viele dieser Fragen stelle spüre ich, wie sie zu meinen Fragen werden. Ich denke an meine Kinder und fühle wie Tränen an meinen Wangen herunter laufen. In diesem Moment wünsche ich mir nicht sehnlicher, als dass Istvan in seinen letzten Sekunden von jemandem gehalten wurde. Jemandem der ihm im Angesicht des Todes gesagt hat, dass er sich nicht mehr fürchten muss, denn da wo er schon bald sein wird, kann niemand ihm jemals wieder weh tun. Niemals wieder wird er solch Leid ertragen müssen. Ich hoffe, dass er nicht leiden musste. Ich spüre einen schrecklichen Druck in meiner Brust und einen Kloß in meinem Hals.
Die Nazis haben Istvans Leben gestohlen, ihm seine Zukunft geraubt und sein Potential vernichtet. Nazis haben dieses kleine Kind ermordet, so wie viele Millionen andere Menschen auch. Istvan hatte einen Namen und ich werde ihn nie vergessen.
Nazis töten. Sie haben millionenfach bewiesen, dass ihnen das Leben anderer Menschen egal ist. Nazis haben keinen Respekt vor dem Leben. Nazis morden. Und sie sind wieder da!
Steht endlich auf und erhebt Eure Stimme gegen diese Nazis. Erhebt Euch endlich gegen die AfD, NPD, Identitäre, Pegida und alle die "die gute alte Zeit" wieder haben wollen.